Neuseeland!

November 22, 2010 at 9:20 am (medizinstudium)

Ich weiß nicht, ob es dem einen oder anderen schon aufgefallen ist, aber was bestimmte Dinge angeht habe ich die Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege. Bloggen – Schreiben im Allgemeinen – gehört dazu, was nicht die beste Voraussetzung dafür ist, wie ich momentan drei (halbwegs) aktive Blogs zu haben… Aber was soll’s.

Wie ihr euch vielleicht ausgerechnet habt, ist die erste Woche meiner Famulatur in New Plymouth bereits um. Am Montag hatten wir nur eine Einführung (die Studenten bekommen hier eigene Emailadressen und Logins für das Patienten-Managementsystem!) und ich habe die zwei Studentinnen aus Oxford, die mit mir Famulatur/clinical rotation auf der Kinderstation machen, kennengelernt. Emily wohnt auch mit mir im Staff Hostel und Winni hat ihren Mann und Söhnchen mitgebracht und wohnt ein bisschen zentraler in der Stadt. Nach der Einführung wurden wir auf Station gebracht, da aber nur zwei kleine Patienten da waren (und das Wetter unglaublich toll) wurden wir mit der Aufforderung, die Gegend zu erkunden, wieder weggeschickt. Das taten wir dann auch und liefen die 20 Minuten ins Stadtzentrum und von dort am Meer entlang bis zum örtlichen Minivulkan, den wir erkletterten (und das ist keine Übertreibung) und die grandiose Aussicht auf das Meer und Mt. Taranaki genossen.

Dienstag begann mit Übergabe und Visite (am Vortag waren noch ein paar kleine Patienten dazugekommen) und anschließend wurden wir auf die verschiedenen Bereiche hingewiesen, in denen wir arbeiten bzw. in die wir hineinschnuppern könnten. Zum einen die Station, zu der auch ein Assessment Center (eine Art Notaufnahme/Tagesklinik) gehört, dann die zentrale Notaufnahme, über die der diensthabende Arzt die Kinder aufnimmt, die Neugeborenenstation, die Outpatients Clinic (die mehr oder weniger die Betreuung und Nachsorge chronisch kranker Kinder betreut, wenn ich das richtig verstanden habe) und wenn wir Lust haben, können wir auch mit den District Nurses mitfahren, die kranke Kinder zu Hause besuchen und betreuen.
Ich blieb erst mal auf Station und untersuchte mit Emily ein Kind mit fokal segmentaler Glomerulosklerose und Nephrotischem Syndrom. Trotz zusätzlichem ADHS und Asperger Syndrom war der Kleine sehr nett und ließ sich bereitwillig untersuchen und die Mutter beantwortete unsere Fragen. Danach ging es in die Notaufnahme und der diensthabende Arzt und ich untersuchten zwei Kinder mit Atemwegsbeschwerden. Das eine wurde mit Erkältung wieder nach Hause geschickt, das andere mit Bronchitis nahmen wir mit auf Station. Ansonsten verlief der Tag eher ruhig und ich schaute noch bei einer Blutabnahme bei einem Dreijährigen zu (verlief ziemlich problemlos, da hier alle Kinder vorher Betäubungscreme bekommen) bevor es nach Hause ging. Nach einem schnellen Abendessen – Pestonudeln und Salat – beschlossen wir, noch den Supermarkt zu suchen um die nächsten Tage nicht hungern zu müssen.

Mittwoch auf Station beginnt mit einer Videokonferenz mit dem größten Kinderkrankenhaus in der Gegend, das auf diese Weise Vorträge für die kleinen Kinderstationen “auf dem Land” hält. Ich bekam nur die ersten 10 Minuten über das neue Hörscreening mit, da ich mich gemeldet hatte, einen der Oberärzte zur Diabetes-Sprechstunde im Nachbarort zu begleiten. Die Kinder kommen dort einmal im Quartal hin um Blutzuckerwerte und Insulintherapie zu besprechen, ihre Entwicklung zu verfolgen und mögliche Spätkomplikationen frühzeitig zu erkennen – und um ihnen einzubläuen, wie wichtig gute Gewohnheiten (was Blutzuckerkontrolle&Management angeht) sind, bei einer Krankheit, mit der sie die nächsten 70+ Jahre leben müssen… Ich bekam das erste Mal life eine Insulinpumpe zu sehen, bei einer Neunjährigen, die seit dem 2. Lebensjahr an Diabetes erkrankt ist. Die Pumpen sind hier recht selten, weil sie nicht von der Kasse übernommen werden aber sie helfen, einen “natürlicheren”, kontinuierlichen Insulinspiegel zu erzeugen ohne mehrmals am Tag spritzen zu müssen.
Nachmittags nahm mich die Public Health-Schwester des Gesundheitszentrums mit zu ihren Hausbesuchen, hauptsächlich zu Kindern mit Entwicklungsschwierigkeiten und/oder ADHS und ich bekam ein bisschen von der Gegend zu sehen. Auf der Rückfahrt hatte ich eine interssante Unterhaltung mit meinem Oberarzt über die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem neuseeländischen Gesundheitssystem. Das System hier beruht auf Steuern anstatt auf Krankenkassen und die medizinische Versorgung findet hauptsächlich beim Allgemeinmediziner und im Krankenhaus statt, da alle anderen Praxen privat sind und nicht vom System übernommen werden…

Donnerstag ist Teaching Day und nach der normalen Visite gibt es eine “Grand Round”, in der Problempatienten besprochen werden. Anschließend gab es zwei Vorträge von den AiPlern (die hier House Surgeons heißen) und danach – yay! – free Lunch mit Sandwiches und Käseschnecken und Kuchen, bevor ein Experte einen Vortrag für alle Ärzte des Krankenhauses hielt. Diese Woche: Informed Consent – oder: warum Aufklärung wichtig ist und wann ich mir Einwilligung von Außen holen kann. Ein interessantes Thema, von dem ich ehrlich gesagt nicht genau weiß, wie die gesetzliche Lage in Deutschland ist… muss ich mal nachlesen.

Freitag war wieder recht wenig los, aber eine der Stationsärztinnen erklärte sich bereit, mit uns die HNO-Untersuchung von Kindern zu üben, also das in die Ohren und den Mund schauen, wie man die Kinder richtig hält und wie man sie von der Untersuchung ablenken kann, weil die meisten Kids nicht besonders davon begeistert sind. Anschließend durften wir noch aneinander üben bevor es Zeit zum Mittagessen war. Ich beschloss, den Nachmittag in der Outpatient Clinic zu verbringen und durfte bei ein paar Krebs-Nachsorgeuntersuchungen zuschauen. Da nicht allzuviele Kinder einbestellt waren, kam ich ein bisschen früher raus und schlenderte noch in die Stadt, da die meisten Läden schon zwischen vier und fünf Uhr schließen bummelte ich aber nur ein bisschen an den Schaufenstern entlang.

Soviel also erstmal zu meiner Famulatur. Ich bin recht zufrieden, weil sich die meisten Ärzte, AiPler/Assis wie Oberärzte, wirklich Mühe geben, uns auch Dinge machen zu lassen, Fragen zu stellen und Dinge zu erklären. Nachdem ich, im Gegensatz zu den beiden anderen Famulanten, noch ein bisschen Probleme habe mich auf Englisch ordentlich medizinisch auszudrücken (Verständnisprobleme habe ich gottseidank fast nur, was die vielen blöden Abkürzungen angeht), bin ich etwas weniger aktiv als die beiden anderen – aber es ist immer noch um einiges besser, als bei anderen Famulaturen (mal abgesehen von den drei Wochen Rettungsstelle, bei denen ich wirklich fast alles machen durfte).

Grandios waren natürlich die 10 Tage durch Neuseeland reisen, bevor ich in New Plymouth ankam. Eine Hafentour durch Auckland, in heißen Quellen baden und Vulkane besteigen, barfuß am Meer entlang spazieren und Schwefelwasserdampf aus Kratern aufsteigen sehen… die Landschaft ist einfach toll hier! Ich habe sogar das Hobbit-Filmset aus Herr der Ringe besichtigen können – sehr cool! Und es ist richtig toll, nach dem nasskalten Sommer dieses Jahr den Herbst auszusetzen und stattdessen die strahlende Frühlingssonne zu genießen.

Ich ende mit ein paar Fotos von meiner Reise und hoffe, dass ich die nächsten paar Wochen ein bisschen besser im updaten bin… Liebe Grüße ins kalte Deutschland!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.